„Die Atmosphäre hat mir gleich gefallen“ Warum Sabine Clasing seit 28 Jahren den eingruppigen Kindergarten Wiesgärtle leitet

„Vor 20 Jahren hätte ich auch nicht gedacht, dass ich mit 60 weiterhin aktiv im Kindergarten tätig bin.“ Das sagt Sabine Clasing, Leiterin des Kindergartens Wiesgärtle. Seit 40 Jahren ist die gelernte Erzieherin im Beruf, seit 28 Jahren leitet sie den eingruppigen evangelischen Kindergarten im Stadtteil Voller Brunnen.

Was hat sich verändert seitdem? „Alles im Leben verändert sich“, meint Clasing und deutet damit an, dass die Veränderungen in ihrem Arbeitsgebiet nicht erheblicher sind als anderswo. Klar sei heutzutage mehr der Blick auf das einzelne Kind und die Dokumentation der Förderung ausgerichtet. Aber professionell gearbeitet habe man schon immer und die regelmäßigen Fortbildungen hielten die Erzieherinnen auf einem guten Stand.
„Ich schätze es, bei einem kirchlichen Träger zu arbeiten“, sagt Sabine Clasing. „Wir haben eine sehr gute Fachberatung und ein gutes Miteinander.“ Und ein ähnliches Wertesystem, das mache die Verständigung mit den Kolleginnen leichter. Selbst muslimische Eltern entschieden sich oft bewusst für einen kirchlichen Kindergarten, weil hier den Kindern auch religiöse Werte beigebracht würden.
Eine Vielfalt der sprachlichen und kulturellen Hintergründe gab es im Vollen Brunnen schon vor 28 Jahren. Integration habe man in dieser Zeit immer praktiziert, blickt die Erzieherin auf ihre Zeit im Stadtteil zurück. „Als ich mich damals beworben habe, hat mir die Atmosphäre gleich gefallen“, sagt sie. Heute sei manches sogar einfacher, weil die jetzige Elterngeneration gut deutsch spreche. Bei den Elternabenden seien alle da, das Miteinander im Stadtteil sei gut.
Pfarrerin Ursula Heller, in deren Gemeindebezirk der Kindergarten liegt, erkennt in der engen Verbindung der Eltern zum Wiesgärtle-Kindergarten aber auch persönliche Gründe: „Sabine Clasing hört mit ihrer Arbeit nicht an der Kindergartentüre auf. Sie macht Stadteil-Arbeit im besten Sinne und hilft manchen Eltern nicht nur bei Erziehungsfragen.“
Noch rund drei Jahre wird die 60-Jährige, die mit ihrem Mann in Metzingen wohnt, im Vollen Brunnen tätig sein, dann wird Sabine Clasing in Rente gehen. Aber bis dahin bleibt sie gerne bei „ihren Kindern“. Das Schöne an einem kleinen Kindergarten sei, sagt sie, dass man auch als Leiterin täglich in die praktische Arbeit mit den Kindern eingebunden sei. Große Einrichtungen hätten auch ihre Pluspunkte. „Aber ich liebe die Arbeit in diesem kleinen Rahmen, ich kenne jedes Kind aus der Nähe“.