Kirchenbezirkssynode beschließt über künftige Pfarrstellenverteilung

„Die Bereitschaft, Kürzungen mitzutragen, schwindet“
In den evangelischen Kirchengemeiden im Bezirk Reutlingen werden künftig 4,75 Pfarrstellen eingespart. Die Bezirkssynode beschloss am Wochenende die neue Stellenverteilung. Sie setzt damit die Vorgaben der Landeskirche durch den Pfarrplan 2024 um.

Dekan Marcus Keinath hob bei der Vorstellung des Stellenplans hervor, dass  „viele konstruktive Gespräche“ innerhalb des Kirchenbezirks stattfanden, »dass wir keine Neiddebatten Stadt-Land geführt und nicht mit Scheuklappen nur auf die je eigene Gemeinde geschaut haben.“ Weit reichende Veränderungsprozesse hin zu mehr Zusammenarbeit zwischen den Gemeinden seien in Gang gekommen.
Allerdings schickt die Reutlinger Synode eine kritische Stellungnahme an die Kirchenleitung. In dem Schreiben heißt es: „Die Sorge vor weiteren Kürzungsrunden ist in allen Kirchengemeinden unseres Bezirks verbreitet. Die Bereitschaft, diese Kürzungen mitzutragen, schwindet erheblich.“ 16 Enthaltungen und zwei Nein-Stimmen haben diese Stimmung beim anschließenden Pfarrplan-Beschluss erkennen lassen.
Außerdem wird von der Reutlinger Synode kritisiert, dass von der Landeskirche alle sechs Jahre ein neuer Plan aufgestellt werde: „Mühsam erarbeitete Strukturen werden durch den nächsten Pfarrplan wieder obsolet“. Die Ehrenamtlichen dürften nicht andauernd mit Strukturberatungen belastet werden.
Nicht nur bei den Pfarrstellen, auch im Verwaltungsbereich herrsche, so die Stellungsnahme, Entscheidungsbedarf. Zum Beispiel möchte die Bezirkssynode geklärt haben: Können Gemeindesekretariate auch Geschäftsführungsaufgaben übernehmen? Wie sieht die Zukunft der Kirchenpflegen und der Verwaltungsstellen aus?
Der Pfarrplan gebe keine Antwort, welche theologischen Bilder von Gemeinde künftig leitend sein könnten. Und der Pfarrberuf müsse für junge Leute wieder attraktiver werden und mehr Freiräume bekommen. So lauten die weitergehenden Anliegen an die Kirchenleitung.
Wie schon in den einzelnen Gemeinden bekannt, sieht der Beschluss für den Kirchenbezirk vor, dass in Pfullingen und der Gesamtkirchengemeinde Reutlingen jeweils ein volles Stellen-Deputat wegfällt. Darüber hinaus haben verschiedene Gemeinden des Bezirks, von Altenburg im Norden bis Mägerkingen im Süden, Kürzungen um 25 oder 50 Prozent eines vollen Deputats zu verkraften. Auch die beiden Jugend-Sonderpfarrstellen in Bezirk und Stadt Reutlingen sind bis 2024 nicht mehr im Stellenplan enthalten. Die beiden Jugendwerke hätten aber weiterhin verlässliche Ansprechpartner, betonte Dekan Keinath gegenüber der Synode.